Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V.
Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V.
Fehler vermeiden

Rüben richtig lagern

Reibungslose Abfuhr gewährleisten

von Eckhard Baumgarten, Maschinenring Wetterau

Zwei Themen, die im Grunde aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden müssen: Durch die richtige Rübenlagerung sollte versucht werden, die Qualität der Rüben längst möglich auf hohem Niveau zu halten und dadurch einen möglichst hohen Erlös zu erzielen. Bei der Mietenanlage geht es vordergründig „nur" darum, dass die Rüben unter idealen Bedingungen geladen und transportiert werden.

Daraus ergeben sich aus Sicht des Landwirts unterschiedliche Interessenlagen. Das Bestreben nach höchstmöglichen Einnahmen durch eine verlustfreie Lagerung ist im Interesse eines jeden Landwirts. Die Mietenanlage, die zu störungsfreien Verlade- und Transportarbeiten führt, liegt in Gebieten, in denen nahezu alle Arbeiten überbetrieblich organisiert und die Kosten auf alle verteilt werden, nicht in der direkten Verantwortung des einzelnen Anbauers und gelangt daher gerne aus dem Blick der Landwirte. Grundsätzlich sollte daher gelten, dass vermeidbare Mehraufwendungen nicht sozialisiert werden.

Baumgarten-Baummiete
Ganz sicher ist das Abfuhrgebiet in der Wetterau diesbezüglich nicht schlechter aufgestellt als andere Abfuhrgebiete, eigentlich sind wir der Meinung, dass die Zuckerrübenabfuhr in der Wetterau gut funktioniert und das nicht zuletzt dadurch, dass immer wieder auf die Probleme und die Zusammenhänge hingewiesen wird. In Vorträgen und Rundschreiben machen wir auf Problem und Fehlerquellen aufmerksam. Wichtig ist dabei, dass alle Aspekte und Arbeitsschritte bei der Ernte beleuchtet werden und versucht wird die theoretischen Ansätze mit den praxistauglichen  Ansätzen zu verbinden.

Rodung

In der Praxis spielen  insbesondere die Abfuhrreihenfolge des Ladegerätes und die Kapazität der aufnehmenden Fabrik eine übergeordnete Rolle und bestimmen in erster Linie die Erntereihenfolge. Im Abfuhrgebiet der Wetterau arbeiten zwei Ladegeräte. Bislang war es so, dass ein Ladegerät für Offstein und das andere für das Werk in Wabern lädt. Ab der Kampagne 2020 werden alle Rüben der Wetterau in das Verarbeitungswerk nach 0ffstein geliefert. Deswegen müssen die Transportkapazitäten zwischen den Ladegeräten flexibel eingeteilt werden.

Eine Rolle spielt weiterhin die Zugehörigkeit zur Rodegemeinschaft, die in der Regel auch Ladegerätübergreifend ist. Die Zugehörigkeit eines Anbauers zu einer Rodegemeinschaft ist in der Regel historisch bedingt und lässt sich auch „politisch" nicht so einfach lösen.

Schon hier ergeben sich die ersten Kompromisse, die die Landwirte in Kauf nehmen und die Gemeinschaften umsetzen müssen. Berücksichtigt man die Verstoffwechselungsverluste in der Rübenmiete, die in den ersten zwei Tagen, bis zum Wundverschluss am höchsten sind, wäre es wünschenswert, die Lagerdauer so kurz wie möglich zu halten. Doch das ist in der Praxis nicht immer leistbar. Besonders schwierig wird es dann, wenn ein Roder nahezu zeitgleich vor beiden Ladegeräten roden muss.

Baumgarten-Wassermiete

In der Wetterau ist aktuell davon auszugehen, dass die Folgekultur nach Zuckerrüben der Winterweizen ist. Folglich wünschen die Rübenanbauer, dass die Rodung zwischen dem 10. und 15. November abgeschlossen ist. Ein weiteres Argument für das frühe Rodeende sind die zum Teil schwereren Böden in der Wetter­ au, die aufgrund der Wassersättigung nicht mehr befahrbar sind. Gerade wegen der langen Lagerung gilt es, die Rüben so schonend wie möglich zu ernten, um unnötige Beschädigungen und Quetschungen zu vermeiden, die während der Lagerung in Abhängigkeit zur Temperatur zu höheren Verlusten führen. Besonders bei sehr langen Kampagnen, mit verhältnismäßig  milden Temperaturen, - wie in der vergangenen Kampagne 2019/20 waren Veratmungsverluste und Schimmelbildung festzustellen.

Mietenschutz

Seit der Kampagne 2017 wird der ge­ samte Mietenschutz überbetrieblich organisiert und umgesetzt. Aktuell arbeiten in der Wetterau zwei Vlieswickelgeräte. Jedes Gerät arbeitet vor einer Maus, die Terminierung der Arbeiten richtet sich nach dem Abfuhrtermin. Aber auch die Terminierung des Mietenschutzes (Zudecken) führt in der Praxis zu Problemen bzw. zu Diskussionen. Aufgrund der Verteilung der Rodegemeinschaften und Rodeflächen kommt es dazu, dass einzelne Maschinen schon gerodet haben und andere das Gebiet erst später bearbeiten. Dadurch ergeben sich höhere Aufwendungen in der Logistik für die Vlieswickelgeräte.

Baumgarten-Strommiete
Abfuhr und Transport

In der Regel ergibt sich der Abfuhrtermin durch die Vorgaben des Abfuhrplans. Wie wirken sich lange Lagerzeiten zum Ende der Kampagne - theoretisch bis zu zwei Monate auf die Qualität und mögliche Verluste aus und welche Vorkehrungen kann der Landwirt selbst ergreifen, um mögliche Verluste zu verhindern?

Wie beispielsweise:

  • Rodetermin dem geplanten Abfuhrtermin anpassen
  • möglichst wenig Grünanteile im Haufen
  • geringe Köpffläche und Wundstellen an der Rübe
  • trockener Mietenplatz
  • Mietenanlage (Größe) zur idealen Abdeckung
  • nicht auf bestellten oder bearbeiteten Röchen

Aus Sicht der Abfuhrorganisation ergeben sich aber die eingangsbeschriebenen organisatorischen bzw. technischen Probleme, die der Anbauer gerne aus dem Blick verliert.

Mietenplatz:

  • parallel zum befestigten Weg
  • bei Stichwegen nur mit Wendemöglichkeit
  • an öffentl. Straßen wird in Wetterau nur mit Genehmigung geladen! (die Beantragung bei der
  • Verkehrsbehörde übernimmt
  • spurenfreier Untergrund
  • nicht unter Stromleitungen

Betroffenheit und vielleicht etwas Scham wird natürlich dann ausgelöst, wenn in Winterversammlungen oder Kampagnevorbesprechungen, die aufgetretenen Probleme anhand von Bildern diskutiert werden. Solche Diskussionen dürfen aber auf keinen Fall in den sozialen Medien geführt werden.

Baumgarten-Maus

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