Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V.
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Zuckermarkt 2020 - Preisanstieg kommt!

Brasilien macht den Weltmarkt - Preisanstieg kommt!
Europäische Preise im Aufwind.

von Dr. Paul-Martin Pfeuffer
 

Die EU-Spotmarkt-Preise sind seit Anfang 2019 im Aufwind und liegen konstant über 450 €/t. Ein Preisniveau, das sowohl für die Rübenanbauer als auch für Südzucker wirtschaftlich attraktiv ist: Bei 450 €/t würde sich laut der Tabelle im Zuckerrübenliefervertrag ein durchschnittlicher Kontraktrübengrundpreis von 32 €/t errechnen, hinzu kämen eine mögliche Rohstoffsicherungsprämie und eine höhere Südzucker-Dividende, die zu einer besseren Verzinsung der SZVG-Zeichnungen führt.

Die durchschnittlichen längerfristigen Kontraktpreise im Zuckerverkauf nähern sich schrittweise diesem Niveau an, denn der Großteil des Zuckers wird über langfristige Kontrakte an die verarbeitende Industrie verkauft und die alten Kontrakte, die in Zeiten eines deutlich niedrigeren Zuckerpreises in Europa abgeschlossen wurden, laufen nach und nach aus. Der zeitliche Nachlauf und die sukzessive Annäherung des EU-Preisreportings an den EU-Spot-Preis lässt sich in der Grafik ablesen. Dargestellt ist das EU-Preisrepoting aus der Region 2, zu der neben Frankreich auch Deutschland gehört und in der Südzucker über 90% seines Zuckers produziert. Dieser offiziell festgestellte Preis wird zukünftig die Basis für die Ableitung des Kontraktrübengrundpreises nach der Tabelle im Zuckerrüben-Liefervertrag sein.

EU-Preisreporting-vs-WMP-internet

EU-Markt entkoppelt sich vom Weltmarkt

Insgesamt setzen sich die Zuckerpreise in Europa zunehmend von den Weltmarknotierungen ab. Auslöser sind zwei unterdurchschnittliche Zuckerrübenernten in 2018 und 2019 kombiniert mit sinkenden Anbauflächen. Europa ist nun wieder Nettoimporteur von Zucker. Preisbestimmend ist damit der Preis von Importzucker zuzüglich Umschlags- und Transportkosten vom Hafen zum Verarbeiter.

Aufgrund des nochmaligen Rückgangs der EU-Zuckerrübenanbaufläche in 2020 um rund 5 % gegenüber dem Vorjahr wird bei durchschnittlichen Erträgen auch in diesem Jahr eine Zuckerproduktion unterhalb des Verbrauchs erwartet. Entsprechend prognostizieren alle Zuckerunternehmen für 2020 steigende Erlöse aus dem Zuckerverkauf. Südzucker hat dazu durch die schmerzhaften Schließungen von fünf Zuckerfabriken und ein scharfes Kosteneinsparungsprogramm einen wichtigen Beitrag geleistet.
 

Brasilien macht den Weltmarkt

Anders als in Europa schlägt auf dem Weltmarkt die Corona-Krise mit voller Wucht auf den Zuckerpreis durch. Die Schockwelle geht vom Ölmarkt aus. Bereits zu Beginn der Coronawelle sind die Ölpreise weltweit zusammengebrochen. Grund war neben dem Verbrauchsrückgang der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Russland, die sich nicht auf eine gemeinsame Förderkürzung in der OPEC+ einigen konnten.

Brasilien verarbeitete in 2019 das Maximum von dem, was technisch möglich ist, zu Ethanol, das sind rund 2/3 des Zuckerrohrs. Nach Schätzungen von Experten liegt die Preisparität zwischen Ethanol und Rohzucker in Brasilien bei nur noch 8 US-cts/lb, umgerechnet würde dies einem Rohzuckerpreis von nur 176 €/t entsprechen. Deshalb produzieren die brasilianischen Zuckerrohrmühlen nun das Maximum an Zucker und füllen damit das einst prognostizierte Defizit am Weltmarkt von 10 Mio.t schrittweise auf.

Folglich sind die Preise an der Börse für Rohzucker in New York auf etwa 10 US-cts/lb eingebrochen. Mit einer deutlichen Korrektur durch einen Rückgang der Produktion ist kurzfristig nicht zu rechnen, auch weil die brasilianische Währung Real um spektakuläre 40 % eingebrochen ist. Dies führt dazu, dass die Zuckerrohrmühlen weiter produzieren können, weil sie ihre Kosten in Real begleichen. Gleichzeitig profitieren Sie von massiven Stützungsmaßnahmen durch den brasilianischen Staat. Die aktuellen Entwicklungen zeigen aber mehr als deutlich, wie verzerrt der Weltzuckermarkt ist und dass die Fokussierung auf den EU-Binnenmarkt aus Sicht der süddeutschen Rübenanbauer unausweichlich war.
 

EU-Zuckermarkt entscheidet

Der EU-Binnenmarkt ist jedoch noch ausreichend gegen Dumping-Einfuhren geschützt. Deshalb werden die Weltmarktpreise, gleich in welche Richtung sie sich entwickeln, keine wesentlichen Auswirkungen auf das EU-Zuckerpreisniveau haben. Nur im Fall einer weiteren Verknappung ist mit einem deutlichen Anstieg der Importe zu rechnen, allerdings bewegt sich der EU-Binnenmarkt dann auf einem für die Rübenanbauer zufriedenstellenden Preisniveau. Auch für das Anbaujahr 2021, für das momentan die Zuckerrüben-Lieferverträge abgeschlossen werden, gehen Marktbeobachter von einem Defizit in Europa und damit von einem positiven Vermarktungsumfeld aus.

Hier auch als PDF-Datei erhältlich: Zuckermarkt 2020 - Preisanstieg kommt!

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