Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V.
Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V.
Rübenbezahlung 2019 – besser als 2018!

30 €/t für alle Kontraktrüben - Mehr pro Tonne gelieferten Zucker

von Dr. Paul-Martin Pfeuffer
 

Die Preise für frei verfügbaren Zucker befinden sich in Europa seit Anfang 2020 deutlich im Aufwind, allerdings wurde der Großteil des Zuckers durch längerfristige Kontrakte zu – aus heutiger Sicht – niedrigen Preisen verkauft. Deswegen liegt der durchschnittliche Zuckererlös ab Werk von Südzucker im für die Rübenbezahlung relevanten Zeitraum zwar 11 % über dem Vorjahr, aber immer noch bei unbefriedigenden 288 €/t.

7,72 €/t Rohstoffsicherungsprämie

Dies ergibt nach der Tabelle im Zuckerrüben-Liefervertrag einen durchschnittlichen Kontraktrübenpreis bei 16 % BZG (bereinigter Zuckergehalt) von nur 22,28 €/t. Um die Auslastung der Zuckerfabriken zu sichern, zahlt Südzucker daher, trotz hoher Verluste im Segment Zucker von rund 230 Mio. € im Geschäftsjahr 2019/20, eine Rohstoffsicherungsprämie (RSP) von 7,72 €/t Zuckerrüben bei 16 % BZG. Damit werden rund 84 Mio. € zusätzlich an die süddeutschen Rübenanbauer ausgezahlt.

Möglich ist dies nur, weil Südzucker die Verluste im Segment Zucker – vor allem durch die Segmente CropEnergies und Spezialitäten – mehr als ausgleichen konnte. Die RSP erhält jeder Landwirt, der auch für das Anbaujahr 2021 einen Zuckerrüben-Liefervertrag über mindestens seine Basisrübenmenge abschließt oder für den ein anderer Landwirt die Lieferrechte anbaut.
 

Berechnung des Rübenpreises 2019

In der Tabelle zur Kontraktrübenbezahlung 2019 ist die Preisableitung für einen durchschnittlichen süddeutschen Anbauer dargestellt. Vom durchschnittlichen Kontraktrübenpreis nach Tabelle werden die über alle Anbauer verteilten Prämien für Früh- und Spätlieferung, der Erfüllungsbonus, die Treueprämie sowie der Erschwernisausgleich für Mietenpflege abgezogen, in Summe ergibt das 3,84 €/t (2019). Zum Ergebnis, dem Kontraktrübengrundpreis, werden auf jeder individuellen Rübenabrechnung die jeweiligen Prämien des einzelnen Anbauers dazu addiert. Letztendlich handelt es sich bei diesen Positionen um eine Umverteilung zwischen den Landwirten, was dazu führt, dass sie sich in der Durchschnittsbetrachtung aufheben.
 

Kontraktrübenbezahlung 2019
   Durchschnittlicher Kontraktrübenpreis nach Tabelle22,48€/t
- durchschnittliche PrämienFrüh-/Spätlieferung, Erfüllungsbonus (1,50 €/t),
Treueprämie (1,50 €/t), Mietenpflege (1,30 €/t)
-3,84€/t
+ individuelle Prämien+3,84€/t
+ Rohstoffsicherungsprämie bei 16 % BZG+7,72€/t
= Kontraktrübenpreis bei 16 % BZG30,00€/t
+ Preisanpassungen für Zuckergehalt BZG bei 15,4 %-1,12€/t
- Transportkostenbeteiligung (25 %)-1,53€/t
= Rübenpreis bei durschnittl. BZG 15,4 %27,34€/t
Hektarerlös inkl. Überrüben2.054€/ha
Hektarerlös mit USt. inkl. Überrüben2.274€/ha

30 €/t (16 % BZG) für alle Kontraktrüben!

Unter Berücksichtigung der RSP von 7,72 €/t errechnet sich bei der Standardrübe mit 16 % BZG ein durchschnittlicher Zuckerrübenpreis von 30,00 €/t für alle Kontraktrüben (Mehr- und Basisrüben). Außerdem erfolgt noch die Preisanpassungen für den Zuckergehalt, denn alle Prämien außer der Mietenpflege sind abhängig vom BZG.

2019 lag der durchschnittliche Zuckergehalt, vor allem wegen der späten Niederschläge im Laufe der Kampagne, mit 15,4 % unterhalb des hinterlegten Standardwertes, so dass es hier im Durchschnitt zu einem Abzug von 1,12 €/t kommt. Ebenfalls abzuziehen ist noch die individuelle Transportkostenbeteiligung von 25 %, die im Durchschnitt aller Anbauer 1,53 €/t beträgt.

Die 30,00 €/t (16 % BZG) für 2019 entsprechen der von Südzucker gegebenen Mindestpreiszusage für die Basisrüben im Anbaujahr 2020, die auch für das Anbaujahr 2021 erneuert wird.
 

Hektarerlöse wieder über 2.000 €/ha

Bei den durchschnittlichen Erträgen und Zuckergehalten im VSZ-Gebiet ergibt sich in 2019 ein Hektarerlös von 2.054 €/ha (ohne USt.) im Vergleich zu 1.813 €/ha im Jahr 2018. Für die ca. 90 % pauschalierenden Landwirte in Süddeutschland ist der Hektarerlös von 2.274 €/ha inkl. 10,7 % MwSt. relevant. Beim Hektarerlös berücksichtigt ist der durchschnittliche Anteil an Überrüben, der mit 85 % des Kontraktrübengrundpreises vergütet wird. Der Überrübenanteil war jedoch im trockenen Anbaujahr 2019 vergleichsweise gering.

Überrüben gibt es im Regelfall nur noch bei überdurchschnittlichen Erträgen, denn es genügt für den Erhalt aller Prämien, die Rübenfläche anzubauen, die beim individuellen fünfjährigen durchschnittlichen Zuckerertrag zur Erfüllung der Kontraktrübenmenge ausreicht. Ist ein Mehranbau gewünscht, sollte der Anbauer die zusätzliche Fläche über eine Erhöhung der Kontraktrübenmenge absichern. Dafür können die Anbauer den Mehrrübenanteil anheben oder – besser – zusätzliche Lieferrechte nutzen bzw. kaufen, um sich die 30 €/t Preisgarantie zu sichern. Es sind ausreichend Lieferrechte verfügbar, Interessenten wenden sich diesbezüglich an ihren Landesverband.

Rodung-Hopferstadt

Deckungsbeitrag über Weizen und Raps

Der Deckungsbeitrag als Maß für die relative Vorzüglichkeit einer Kultur errechnet sich, indem von der (Markt)Leistung die variablen Kosten abgezogen werden. Prämien, positive Effekte durch eine vielfältige Fruchtfolge oder die vorteilhafte Nährstoffnutzung der Rübe, vor allem relevant in den roten Gebieten, werden dabei nicht berücksichtigt.

Nach dem öffentlich zugänglichen Deckungsbeitragskalkulator der Bay­erischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) liegen die variablen Kosten im Rübenanbau 2019 bei ca. 1.460 €/ha, daraus ergibt sich ein durchschnittlicher Deckungsbeitrag der Zuckerrübe im Jahr 2019 bei mittlerer Intensität und Düngung nach Entzug von 590 €/ha. Dieser liegt deutlich über den Vergleichskulturen, insbesondere über allen Getreidearten. Hierbei sind bei den Vergleichskulturen jeweils die durchschnittlichen Verkaufserlöse und Erträge in Bayern 2019 zugrunde gelegt. Lediglich Kartoffeln und viele Sonderkulturen setzen sich im Betrachtungsjahr deutlich ab, ihre Deckungsbeiträge sind aber hoch volatil.

Die Zuckerrübe kann momentan nicht an das durchschnittliche Erlösniveau der Quotenzeit anknüpfen. Auch zukünftig sind auf dem Zuckermarkt höhere Preisschwankungen als in der Vergangenheit zu erwarten. Durch den Mindestpreis von 30€/t für Basisrüben wurde aber ein „Sicherheitsnetz“ eingeführt, so dass bei durchschnittlichen Erträgen ein rentabler Zuckerrübenanbau in den Betrieben gegeben ist.
 

A+R-Mittel- und Restrübengeld-Einzahlungen halbiert

Wegen der außergewöhnlich ungünstigen Umstände in den beiden zurückliegenden Zuckerrüben-Anbaujahren und der großen allgemeinen Unsicherheiten in 2020 werden die Einzahlungen von A+R-Mitteln und Restrübengeld auf die Treuhandkonten bei der SZVG ausnahmsweise auf die Hälfte der im Rübenliefervertrag 2019 vorgesehenen Beträge reduziert.
 

Das Wichtigste in Kürze

  • 30 €/t (16 % BZG) ohne USt. für alle Kontraktrüben (Basis- und Mehrrüben) inkl. einer Rohstoffsicherungsprämie von 7,72 €/t abzgl. Transportkostenbeteiligung
  • Voraussetzung für die Rohstoffsicherungsprämie ist der Abschluss eines entsprechenden Zuckerrüben-Liefervertrags 2021
  • Steigende Hektarerlöse (Durchschnitt Südzucker, ohne USt.):
    + 2018: 1.813 €/ha
    + 2019: 2.054 €/ha

Hier auch als PDF-Datei erhältlich: Rübenbezahlung 2019 - besser als 2018! 

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